
Einsamkeit fühlt sich nicht nur schlecht an – sie macht messbar krank. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Einsamkeit als Gesundheitsrisiko ein, das mit den Folgen von Rauchen, Fettleibigkeit oder Luftverschmutzung vergleichbar ist. Ein Thema, das lange als Privatsache galt, rückt damit ins Zentrum der öffentlichen Gesundheit.
Was Einsamkeit im Körper anrichtet
Menschen ohne starke soziale Kontakte haben laut WHO ein höheres Risiko für Schlaganfälle, Angststörungen, Demenz, Depressionen und Suizid. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus formuliert es drastisch: Das Risiko eines vorzeitigen Todes sei für einsame Menschen ähnlich hoch wie durch Tabakkonsum. Zahlreiche Studien bestätigen, dass anhaltende Einsamkeit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen frühen Tod deutlich erhöht.
Ein wachsendes Problem
Die Zahlen steigen. In Deutschland fühlen sich rund 19 Prozent der Menschen manchmal oder häufiger einsam – vor der Pandemie waren es noch 14 Prozent. Auswertungen des DIW Berlin zeigen, dass besonders Menschen mit niedrigem Einkommen gefährdet sind. Einsamkeit ist also nicht nur eine Frage des Alters, sondern auch der sozialen Lage.
Das Gefühl zählt mehr als die Zahl der Kontakte
Interessant: Neuere Forschung legt nahe, dass das subjektive Einsamkeitsempfinden wichtiger ist als die objektive Zahl der Kontakte. Man kann sich in einer Menschenmenge einsam fühlen – und allein zufrieden sein. Entscheidend ist die Qualität der Verbindungen, das Gefühl, gesehen und verstanden zu werden.
Was hilft
Die WHO hat eine Kommission eingesetzt, die untersucht, wie sich soziale Kontakte als Beitrag zur Gesundheit fördern lassen. Auf individueller Ebene helfen kleine, regelmäßige Schritte: ein fester Termin mit Freunden, ehrenamtliches Engagement, ein Verein, ein Kurs. Auch Hausärztinnen und -ärzte können Anlaufstelle sein. Wichtig ist, das Thema aus der Tabuzone zu holen – denn über Einsamkeit zu sprechen, ist bereits der erste Schritt heraus.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Wenn Sie sich dauerhaft belastet fühlen, wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder eine Beratungsstelle.




